Ein Bergdorf bei Carrara und sein weißer Ruf

Hauptplatz von Colonnata
Colonnata ist ein eher unscheinbares Bergdorf bei Carrara und doch bekannter als andere. Wie kam es dazu? Mitten in den weißen Marmor-Bergen etwa 7km von der Stadt entfernt wird das Dorf das erste Mal im ersten Jahrhundert erwähnt.
Marmorbruch in Carrara
Etwa 40 n.Ch. wurde aus der unweiten Stadt Luni (Ausgrabungen-Besuch empfehlenswert, z.B. um damalige Fußbodenheizung zu besichtigen) ein Teil der Sklaven nach Colonnata gebracht, um hier das weiße Gold – den Marmor – abzubauen, um daraus in Rom Statuen herzustellen und Häuser und Paläste zu schmücken. Der Name entstand wohl auch aus dem Wort Colonia – Colonnata.
Die Kirche in Colonnata
Wahrscheinlich haben sich die Sklaven später mit den Einheimischen vermischt, wodurch ein Volk der Bergleute entstand, der in den Marmor-Brüchen schuftete -übrig bleiben uns einige Schriften über gewissen Zugeständnisse an die Colonnanten, spätere Schriften sprechen von der Müdigkeit und Kämpfen für Verbesserungen der harten Arbeitsbedingungen.
Lardo di Colonnata
Durch ein neues Abbauverfahren zeichnete sich dann ein Rückgang der Steinbrucharbeiten ab. Und da verschmilzt die Geschichte, die das Dorf bis heute bekannt macht, die Wirtschaft erholte sich dank eines – ja, Specks. Lardo di Colonnata. Einem der Bergleute verdank er seine spezielle Note. Einige Stunden nach dem Schlachten wird die Fettschicht des Schweins in eine Marmor-Wanne gepfercht und mit frischem Knoblauch, Rosmarin, Salz, Pfeffer und Salbei eingelegt. Platte drauf und ab zum reifen. 6 Monate braucht er, um ein anerkannter Lardo di Colonnata zu werden und ein Siegel IGT zu bekommen.
Heute gibt es im Dorf an die 15 Hersteller.
Focaccia mit Lardo di Colonnata
Der Speck ist ganz was Besonderes, dünn geschnitten kommt er u.a. auf eine Pizza oder – abgeschälte Krabben im dünnen Speckmantel einwickeln, kurz von allen Seiten anbraten o. grillen . Aber in der Einfachheit liegt wohl seine Stärke, wie vor Tausend Jahren wird er in den Kneipen und Restaurants in Colonnata meistens in einem gerösteten Brötchen mit Tomate und guten Wein serviert. Sein milder Geschmack ging mehrmals um die Welt, bekannter Abnehmer war z.B. Papa Wojtyla – wie der Papst Johannes Paul II liebevoll in Italien genannt wird.
Eine Gasse in Colonnata
Lardo ist einfaches Essen für Arme. In den Apuanischen Alpen nah Carrara nannte man es Nahrung der Anarchisten, weil die Flüchtlinge nach Aufständen 1894 in die Berge einige Schweine mitnahmen, die Wälder sind vollen Kastanienbäume, mit denen sich die Schweine vollstopften und die Leute konnten dank des im Salz eingelegten Speck in ihren Unterkünften überleben. Heute ist der Colonnata Speck eine gastronomische Delikatesse und in den berühmtesten Restaurants der Welt zu finden.